The Loud Silence of Francine Green

Francine ist Cushmans dritte amerikanische Heldin (ein paar ihrer historischen Romane spielen ja in England) und die Zeit, die Cushmann diesmal beschreibt, sind die frühen 50er-Jahre – mit all ihren übertriebenen Ängsten, ihrer Engstirnigkeit, ihrem Redneck-Patriotismus. Dazu kommt, dass Franci ...

Francine ist Cushmans dritte amerikanische Heldin (ein paar ihrer historischen Romane spielen ja in England) und die Zeit, die Cushmann diesmal beschreibt, sind die frühen 50er-Jahre – mit all ihren übertriebenen Ängsten, ihrer Engstirnigkeit, ihrem Redneck-Patriotismus. Dazu kommt, dass Francine (an der Schwelle zu High School) eine von Nonnen geführte erzkatholische Schule besucht, die das politische Angst-Klima trefflich durch ein religiöses verstärkt.

Francine ist ein eher schüchternes Mädchen, das Wilde an ihr ist vielleicht, dass sie sich sehr fürs Kino interessiert (vor allem für Montgomery Clift). Doch dann landet Sophie in ihrer Schule, Francine und Sophie werden beste Freundinnen – und sie beginnen voneinander zu lernen. Sophie ist unentwegt besorgt um ihr Recht auf Redefreiheit und macht den Nonnen (besonders der gefürchteten Sister Basil the Great) das Leben schwer. Atombombenangst (und damit Angst vor den Russen) und der beginnenden MacCarthyism haben aber bald echte Auswirkungen auf Francines allein erziehenden Vater. Sophie kann, dank Francines Freundschaft, den Anfechtungen in der Schule trotzen; aber den politischen Entwicklungen können ihr Vater, seine Freunde – und damit auch Sophie – nicht genug Widerstand entgegensetzen. Francines gerät immer mehr in das Dilemma: opportunes Schweigen oder Aussprechen unangenehmer Wahrheiten.

Cushman hat durch ihre Romane hinlänglich bewiesen, dass sie ein gutes Gespür für die jeweilige Zeit, die sie als Folie nimmt, entwickelt. Das geht so weit, dass manche Anspielungen wohl nicht wirklich verstanden werden dürften, dass die Sprache bisweilen etwas fremd wird (die "holy cow"-Zeiten sind ja nun eher vorbei), aber das tut dem Buch keinen Abbruch. Ziemlich eindringlich wird vor Augen geführt, wie persönliche Integrität und allgemeine Hysterie zu allen möglichen Schwierigkeiten führen. Das Schüren von Angst ist ja – wenn man Moore glauben darf – eine Lieblingsbeschäftigung amerikanischer Politiker und Medien, und Cushman zeigt sehr schön, wie Furcht genährt und wie das Gerücht als Waffe eingesetzt wird. Als zeitgeschichtlicher Roman und als Roman über persönliche Integrität (mit einem Schuss Teenager-Probleme) bestens geeignet!

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.11.2006
Link
https://rezensionen.schule.at/portale/rezensionen/yan-young-adult-novels/politik/detail/the-loud-silence-of-francine-green.html
Kostenpflichtig
nein