The Taking of Room 114. A Hostage Drama in Poems

Wie der Untertitel verheißt, ist die Idee bestrickend: Die Geschichte wird nicht in herkömmlicher Form, sondern in Gedichten (genauer gesagt in freien Rhythmen) erzählt. So ein Unterfangen ist immer die Lektüre wert, auch wenn die inhaltliche Umsetzung, wie im vorliegenden Fall, nicht zu überzeu ...

Wie der Untertitel verheißt, ist die Idee bestrickend: Die Geschichte wird nicht in herkömmlicher Form, sondern in Gedichten (genauer gesagt in freien Rhythmen) erzählt. So ein Unterfangen ist immer die Lektüre wert, auch wenn die inhaltliche Umsetzung, wie im vorliegenden Fall, nicht zu überzeugen vermag.
Mr Wiedermeyer setzt seine Studentinnen und Studenten, (Senior History) im Klassenzimmer gefangen, z.T. wohl wegen einer tiefen persönlichen Krise, zum Teil aber auch, weil er nach 20 Jahren Schule merkt, dass sein Unterricht wenig oder gar nichts bewirkt. Die Jugendlichen erweisen sich in seinen Augen als nicht lernfähig, geprägt durch eine bildungsfeindliche Umwelt, von Äußerlichkeiten erdrückt. Dass er mit dem Gewehr zur Schule geht, ist ein Aufschrei, den er über kurze Mitteilungen, die er unter der Tür nach draußen durchschiebt, in Worte gerinnen lässt. Sie spiegeln seine Unsicherheit, seine Verzweiflung und natürlich auch seinen Realitätsverlust wider.
Der Großteil des Buches aber ist den Jugendlichen gewidmet, die in ihren 'Stadien' als Freshman, Sophomore, Junior, Senior und an jenem schicksalhaften 16. Juni zu Wort kommen; naturgemäß lernen wir eine Fülle von Biografien und Schicksalen kennen, wie das halt an Schulen so üblich ist.
Dabei ist Glenn allerdings der Vorwurf zu machen, dass alles ein bisschen zu rund, zu plakativ, zu klischeehaft, zu altbacken, zu einfallslos, zu konturlos, zu gefällig, zu typenhaft abgehandelt wird. Die Schicksale schmecken nach Reißbrett, die ganze Situation nach pädagogischem Zeigefinger, und ich war mir beim Lesen nie recht sicher, ob ich hier nicht ein reaktionäres, jugend- und schulfeindliches Buch in den Händen halte; andere mögen es wieder unter die Betroffenheitsliteratur einreihen und als wertvollen Beitrag zu aktuellen Erziehungsfragen sehen. Ich selbst finde nach wie vor: Schade um die gute Idee – guter Ansatz, mangelhafte Ausführung. Dennoch rate ich nicht ab: Da ist zum einen die interessante Form, da ist zum andern der Beitrag zum Thema Schule & Gewalt. Wen also wundert's, dass sich das Buch bei den Reading tips

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.07.2001
Link
https://rezensionen.schule.at/portale/rezensionen/yan-young-adult-novels/detail/the-taking-of-room-114-a-hostage-drama-in-poems.html
Kostenpflichtig
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