The Rag and Bone Shop
Dieses posthum erschienene Buch ist Cormiers letzter Roman, der einmal mehr zeigt, dass er sein Faible fürs Bizarre immer mehr zu pflegen begann. Die siebenjährige Alicia ist erschlagen worden, und der zwölfjährige Jason, ein zurückhaltender und schüchterner Junge, war der Letzte, der sie lebend ...
Dieses posthum erschienene Buch ist Cormiers letzter Roman, der einmal mehr zeigt, dass er sein Faible fürs Bizarre immer mehr zu pflegen begann. Die siebenjährige Alicia ist erschlagen worden, und der zwölfjährige Jason, ein zurückhaltender und schüchterner Junge, war der Letzte, der sie lebend gesehen hat. Da ein Polizist es sich in den Kopf setzt, Jason müsse der Täter sein, wird der Befragungs-Spezialist Trent eingeflogen; er soll Jason ein Geständnis entlocken.
Cormier skizziert Trent andeutungsweise mit einigen erfolgreich abgeschlossenen Fällen, Jason hingegen bleibt eher farblos, nur manche seiner Reaktion werden mit großem Einfühlungsvermögen beschrieben. Trent ist süchtig nach Geständnissen, er liebt es, dorthin zu gehen, wo die Leitern beginnen (im rag-and-bone shop of the heart; ein Yeats-Zitat); dabei ist es die große Ironie dieser Geschichte, dass sich der Spezialist für Wahrheitsfindung ganz massiv selbst belügt. Seine Befragung weckt aber auch in Jason etwas, das besser verborgen geblieben wäre.
Cormier versteht es, das Interview, das den Kern der Geschichte bildet, mit einem straffen, sehr beeindruckenden Spannungsbogen zu versehen, und wer das Buch einmal begonnen hat, wird es nicht mehr unterbrechen wollen.
Schade, dass wir von Cormier nichts Neues mehr lesen werden. Gut, dass es sich nach wie vor auszahlt, seine alten Bücher wieder zu lesen.