Tanglewreck
Winterson, allseits bekannt durch ihren Roman "Oranges Are Not the Only Fruit" (1985, im Übrigen kongenial verfilmt von Beeban Kidron, 1990, und auf DVD erhältlich), hat ihr erstes Jugendbuch vorgelegt, und ich wünschte, ich könnte nur Gutes darüber sagen. Leider kann ich das nicht ausschließlic ...
Winterson, allseits bekannt durch ihren Roman "Oranges Are Not the Only Fruit" (1985, im Übrigen kongenial verfilmt von Beeban Kidron, 1990, und auf DVD erhältlich), hat ihr erstes Jugendbuch vorgelegt, und ich wünschte, ich könnte nur Gutes darüber sagen. Leider kann ich das nicht ausschließlich, weil es für mich zu sehr eine Mischung aus bekannten Motiven und zu bewusst-gekonnt platzierten "gscheiten Passagen" ist. Die ganze Geschichte schmeckt nach Madeleine L'Engle und Michael Ende. Die elfjährige Silver lebt mit einer dubiosen Tante in Tanglewreck, einem alten Haus aus einer 'gothic novel.' Die Tante will von Silver erfahren, wo der 'Timekeeper', ein altes ägyptisches Instrument, mit dem man die Zeit kontrollieren kann, verborgen ist. Auftritt der Schurken, nämlich Abel Darkwaters, der seit jeher der Zeit verpflichtet ist, und seines schrulligen Dieners, der seit 400 Jahren in seinen Diensten steht, sowie Regalia Mason, die von einer Mittelalter-Weissagerin zu einer schaurigen Wissenschaftlerin mutiert ist.
Silver macht sich mit Gabriel (einem Angehörigen der 'Throwbacks', die nur langsam altern) auf die Suche nach dem 'Timekeeper' und durchmisst dabei zahlreiche Zeitebenen und erlebt vielerlei Abenteuer.
Das ist wirklich nicht schlecht, das erinnert bisweilen an den Erfindungsreichtum eines Lewis Carroll (die Zeittornados, der Besuch bei Papst Gregor XIII, das bösartige Kaninchen Bigamist, die Einstein-Linie etc.). Aber es ist für dieses doch eher konventionelle Setup vielleicht des Guten ein bisschen zu viel, noch dazu, wo es sich Winterson nicht versagen kann, allerlei Bildungsgut zum Thema Zeit einfließen zu lassen (von Einstein bis zu Schrödingers Katze). Sagen wir so: Wer sich auf ein kunterbunt-anstrengendes Abenteuer einlassen will oder wer "whacky science fantasy"-Fan ist, der wird dieses Buch mit Interesse, vermutlich sogar mit Vergnügen lesen. Wer die laufende Jugendbuchkost gewohnt ist, der wird sich etwas schwer tun. Ich selbst zähle mich ja zu beiden Kategorien, aber vielleicht erinnert mich deswegen zu vieles an dem Buch an zu vieles aus anderen Büchern – darum auch der nagende Argwohn, Winterson habe zu gekonnt mit allen möglichen Versatzstücken gespielt.