American Scary. A History of Horror, from Salem to Stephen King and Beyond
Autor DAUBER, Jeremy
Verlag New York: Algonquin 2024
Jahrzehnte bin ich durch Blut gewatet, habe zahlreiche Horror-Romane gelesen, unzählige Horror-Filme gesehen, aber Dauber versteht es, immer noch eins draufzulegen.
Denn sein Horror-Begriff ist weitgefasst, er inkludiert Salem und Trump, politisches Geschehen weltweit, Ängste in allen möglichen Lebenslagen, und darum kann auch „Carrie“ neben „Lolita“ stehen. Der Horror, nicht nur amerikanisch, richtet sich nach innen und nach außen. Die Bedrohung durch das Fremde ist ebenso Thema wie die Bedrohung durch das Vertraute. Wenn sich in „The Strangers“ folgender Dialog entspinnt, dann wissen wir, dass es kein Entkommen gibt und dass es dafür keine Täterphilosophie braucht.:
Kristen: Why are you doing this to us?
Dollface: Because you were home.
Dauber beginnt, wie gesagt, in Salem mit ‚fire and brimstone‘ (die Mathers), geht dann weiter zu Hawthorne, Crane, zieht Querverbindungen zur Alten Welt (Walpole, Shelley etc.), und zählt dann so alles auf, was in der Horrorwelt zuhause ist (Poe, Lovecraft etc.). Aber immer wieder bildet das Politische (Civil War, Rassismus) eine Folie für seine Ausführungen. Ich erspare mir weitere Nennungen, halte aber fest: Psychopathen, Serienmörder (ein relativ neues Konzept), True crime, Slasherfilme aller Art und Güte, Zombies, Vampire, Body Horror, Blaxploitation, neue Filme und Serien mit schwarzen Protagonisten („Lovecraft Country“, „“Get Out“, „Nope“ etc.) – alle finden Beachtung, und das bis zu Büchern und Filmen aus dem Jahr 2023. Dauber scheut auch vor keinem Format zurück: Druckerzeugnisse, Filme, Serien, Radio, TV, Musik, Comics, Computerspiele, DVDs, Internet, Streaming, Podcasts – alle haben ihre Auftritte. Wer mit dem Genre nicht vertraut ist, wird von der Fülle an Wissenswertem erdrückt sein, wer aber Kenntnisse hat, wird das Buch mit Vergnügen und Gewinn lesen, zumal Dauber gründlich recherchiert hat. Hunderte ‚Endnotes‘ (30+ Seiten) und ein Register komplettieren das Buch, bei dem fast nichts ausgelassen ist (von YANs abgesehen – mit der Ausnahme R. L. Stine)
Und bei dem immer wieder auf den (politischen) Alltagshorror, etwa die drohende zweite Amtszeit von Trump, verwiesen wird. Ein Standardwerk!
pp. 468