Rhyme & Reason
Autor FORSYTH, Mark
Verlag London: Allen & Unwin 2025
„Enchanting“, sagt Stephen Fry am Cover, und ich kann ihm nur zustimmen. Hätte ich Literaturgeschichte je auf so amüsante Weise gelernt!
Dabei wendet sich der Untertitel nicht direkt an mich: „A Short History of Poetry and People (for People who Don’t Usually Read Poetry.”)
Forsyth beginnt so um 1370, da ist nämlich Chaucers „The Book of the Duchess“ erschienen. Was davor war, wird abgetan, da würde auch keine Petition helfen.
Er preist Chaucers Geschick im Umgang mit seinem Publikum, und auf launige Weise, mit vielleicht ein paar zu launigen Fußnoten zu viel, bewegt er sich nun durch die Jahrhunderte. Zwischendurch erklärt er immer wieder die Geheimnisse der Metrik, und mit dem Lob des Blankverses driftet er auch kurz in die elisabethanische und jakobitische Theaterwelt, mit ergötzlichen Anmerkungen zu „Tamburlaine“ vs. „The Duchess of Malfi.“
„Broadside ballads“ erfahren gebührende Aufmerksamkeit, weil sie Forsyths These stützen, dass Lyrik FÜR jemanden/viele geschrieben sein soll.
Später wird Milton ausführlich besprochen, Pope auch, aber wenn wir zu den Romantikern kommen, werden Blake und Keats außen vor gelassen (wegen damaliger Erfolglosigkeit). Da haben uns Byron, später Tennyson etc. schon mehr zu sagen. Neben den großen Namen rekurriert Forsyth immer wieder auf den Alltag der Lyrik, auf den Wunsch junger Männer, Sonette verfassen zu können, auf die Tradition des Rezitierens (mit Anleitungen), die nach dem Ersten Weltkrieg zu verschwinden beginnt (Radio!).
Die Modernists (T. S. Eliot) legen einen Auftritt hin, aber bei Auden ist Schluss für Forsyth. Er bedauert, dass Lyrik nicht mehr zu einer großen Öffentlichkeit spricht, sondern sich solipsistisch geriert. Bis zu einem gewissen Grad hat er recht – lesen sie doch mal die Gedichte im TLS oder in der LBR. Andererseits bietet mittlerweile das Internet ein großes Betätigungsfeld, und dort finden sich auch zahlreiche (grottenschlechte) Gedichte, die zu den Massen sprechen (sollen).
Im Abschlusskapitel erklärt Forsyth, warum er seine ganze Geschichte lang Shakespeare nicht erwähnt hat – auch sehr unterhaltsam zu lesen.
Nochmals: Es war ein Vergnügen, das Buch zu lesen; ich habe sogar meine alte Ausgabe von „Lalla Rookh“ hervorgekramt – und mich gewundert, wie man das mit Begeisterung lesen konnte.
pp. 358 (Sachbuch)