Yesteryear

Autor BURKE, Caro Claire

Verlag London: 4th Estate 2026

Burkes Debutroman hat ziemlich viel Staub aufgewirbelt, weil man in ihm den ersten großen Tradwife-Roman sah.

Der Grundgedanke ist auch wirklich sehr an- und vielversprechend: Influencerin Natalie Heller Mills, die mit ihrem feschen, aber etwas beschränkten Mann, den fünf Kindern (das sechste ist unterwegs) auf der bilderbuchhaften Farm Yesteryear in Idaho lebt und die sich plötzlich Jahr 1855 als echte Pionierfrau wiederfindet.
Schon allein, wie das möglich ist, sorgt für spannende Lektüre. Zuvor aber erleben wir Natalie dabei, wie sie ihren Account aufbaut. Sie zeigt fröhliches Hühnerfüttern, lässiges Buttermachen, Kinder im ‚home schooling‘. Sie präsentiert sich als die fehlerlose christliche Mutter, um die sich gerne eine große Familie sammelt.
Die Wahrheit ist allerdings etwas anders: Zwei Nannies unterstützen sie, die Farm wirft keinen Profit ab, trotz der angestellten Arbeiter, das Biogemüse ist ’fake‘ und die fröhlichen Bilder für Instagram werden von Shannon, einer professionellen Producerin, hergestellt.

Und dann, als alles zu bröckeln beginnt, wacht Natalie 1855 auf; ihre Kinder sind nicht ganz ihre Kinder, findet sie, ihr Mann ist nicht ganz ihr Mann. Sie glaubt sich entführt, sie meint, dem wirklich entbehrungsreichen Leben nicht gewachsen zu sein. Wie Burke dieses Rätsel auflöst, sei hier nicht verraten; verraten sei, dass Natalie empathielos, narzistisch, ehrgeizig – und unterhaltsam ist. Burke macht sich dabei über Social media genauso wie über MAGA lustig, sie stellt natürlich implizit die Frage, was es bedeutet, eine US-Frau zu sein – und sei stellt der Tradwife-Bewegung kein gutes Zeugnis aus.

P. S. Wer das Buch nicht lesen will, muss auf den Film mit Anne Hathaway warten.

pp. 391 (Gegenwartsliteratur)

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
30.06.2026
Link
https://rezensionen.schule.at/portale/rezensionen/detail/yesteryear.html
Kostenpflichtig
nein