The University of Bliss
Autor STANNARD, Julian
Verlag Montclair: Sagging Meniscus Press 2024
Die Zeit der gemütlich-unterhaltsamen ‚campus novel‘ ist vorbei, wie uns Stannard mit seiner kompakten dystopischen Erzählung vorführt.
2035 geht es an der Universität Bliss um Wohlfühlen, Kreativitätskonferenzen und Bürokraten, die jede Veranstaltung im Hinblick auf ‚employability‘ und ‚reflectivity‘ untersuchen. Die Lektoren (Lektorinnen kommen nicht vor) werden rigoros überwacht (von Professor Leech), und wer nicht spurt, der landet in ‚Shit Town‘ mit wenigen Essensmarken.
Die eigentlichen Machthaberinnen sind Gladys Nirvana, neue ‚vice chancellor‘, und Bishop Imelda Wellbeloved, die Vertreterin der ‚*Church oft he Aubergine‘ ist. Nirvana verdient sich dumm und dämlich mit ihrem Buch über ‚pure reflectivity‘, Imelda arbeitet daran, dass Roboterhunde die Lektoren ersetzen.
Das kleine Nest des Widerstands kommt von zwei ‚creative writing‘ Lektoren, Tristan Black und Harry Blink. Die haben wenig Chancen gegen die Uni-Bürokratie und gegen ‚Wellbeing Tutors‘ oder „Please-Stop-Me-and Ask-A-Dumb-Question Visiting Lecturers“; und auch die Unterstützung durch Humph Lacan (ja, ein Verwandter) hilft da wenig. Harry muss auch andauernd befürchten, dass ein Student (they) sich unwohl fühlt in seiner Lyrik-Veranstaltung, wofür ihn Leech gerne nach ‚Shit Town‘ verfrachten würde.
Das ist alles äußerst unterhaltsam, wenn auch der reale Hintergrund (Management vor Lehre, Ranking-Tyrannei, übersensible Studentinnen und Studenten) weniger lustig ist. Angesichts der Tatsache, dass Wohlfühlen vor Forschung geht, scheint 2025 nicht mehr sehr weit weg.
pp. 177 (Gegenwartsliteratur)