The Loneliness of Sonia and Sunny
Autor DESAI, Kiran
Verlag London: Hamish Hamilton 2025
Bringen Sie einen langen Atem mit, und Sie werden es nicht bereuen.
Vor fast 20 Jahren habe ich Desais „The Inheritance of Loss“ (Booker Prize; s. Archiv) besprochen – und nun erst ist ihr dritter Roman erschienen.
Wie klar ersichtlich – das Thema ist Einsamkeit in einem zutiefst indischen Kontext, egal, wo wir uns befinden. Und die Geschichte ufert aus, wie die beiden Hauptcharaktere herausfinden. Es ist wie bei Sonias Kebab-Artikel, der zu einer Vielzahl unterschiedlicher Kebabs führt: „You might try to write a slender story, but it inevitably connected to a larger one“, heißt es da. Und so landen wir bei fast 700 Seiten.
Sonia Shah ist das einzige Kind einer einflussreichen Familie in Delhi. Sie studiert (im Abschlussjahr) in Vermont, vereinsamt und depressiv. Kein Wunder, dass der viel ältere, narzisstische Künstler Ilan de Toorjen Foss sie zu verführen vermag. Das ist der Beginn einer skurril-toxischen Beziehung, die Sonia immer mehr ins Unglück stürzt (ein schwarzer Hund verfolgt sie, glaubt sie zu wissen). Sonia kehrt nach Indien zurück und trifft dort auf Sunny Bhatia, einen Journalisten, der in New York lebt und der ihr von den jeweiligen Großeltern zugedacht war. Auch er ist in vielen Bestrebungen erfolglos und unglücklich. Sunnys Familie ist korrupt, vor der Gewalt flieht seine Mutter (eine energische Frau) nach Goa. Und Seher, Sonias Mutter, lebt von ihrem Mann getrennt: “There are worse things than loneliness”, meint sie. Beider Familien wünschen, dass die Kinder in New York leben, denn ein echter Inder ist offensichtlich Amerikaner.
Obwohl alle auf ihre Art einsam sind, nähern sich Sonia und Sunny zeitweilig einander an, deutlicher gegen Schluss. Eingebettet ist der Roman weniger in mystischer Indien-Darstellung als in Darstellungen des Alltags: Essen, Kleidung etwa werden so ausführlich geschildert, als wären es „Schneiderstrophen“ des Nibelungenliedes. Das Mystische ist am ehesten das Amulett, das Sonia (verblendeterweise) Ilan überlässt. Der ist übrigens der unsympathischste Charakter des Buches.
Wie anfangs gesagt - mit dem langen Atem werden Sie den Roman bestimmt zu schätzen wissen.
pp. 670 (Gegenwartsliteratur)