The Infamous Gilberts
Autor TOMASKI, Angela
Verlag London: Fig Tree 2026
“How well I have managed this, after all. It is almost in order and beginning to form quite a coherent little story.” Das sagt Maximus, der Erzähler am Anfang des Kapitels 23, aber der Leser/die Leserin muss sich noch etwas gedulden, bis sich der Zusammenhang einstellt.
Maximus, nunmehriger Wächter des ‚Victorian gothic mansions‘ Thornwalk, führt uns durchs Anwesen und erklärt, anhand von 70 Gegenständen, die Schicksale der letzten Bewohner/innen des Hauses.
Mrs. Gilbert, stets überfordert, überlässt ihrer Schwägerin Berenice viele Entscheidungen, aber die fünf Kinder gestalten mehr oder minder ihr eigenes Leben.
Lydia, die Älteste, ist unglücklich verheiratet, hat zwei unsympathische Söhne und frisst sich dem Lebensende entgegen. Hugo will, nach dem Krieg, den Landwirtschaftsbetrieb auf traditionelle Weise fortführen und stürzt mehrere Menschen (und sich selbst) ins Unglück. Rosalind, unbedeutende Schauspielerin, wird zusehends verwirrter, Jeremy, flieht das Anwesen und wird zum Weltenbummler, und die Jüngste, Annabel, zeichnet alles auf, ist selbst ein herumschwirrendes, geisterhaftes Wesen. Allen ist gemeinsam: Sie sind seltsam, wenn nicht gar verrückt.
Tomaski hat für ihren Erstling ein cleveres Erzählsetup gefunden. Maximus zeigt uns viele kleine Gegenstände und Schauplätze; so heißen Kapitel etwa „The Onion Basket“, „The Scratch in the Dining-room Table“ oder „The Pine Cone under Annabel’s Bed“. Mag sein, dass man sich zwischendurch bisweilen fragt, ob einen all die Vorkommnisse wirklich so sehr interessieren, aber dann halten uns Traurigkeit und Unglück doch so sehr gefangen, dass wir das Gesamtbild sehen wollen. Der Roman wurde als „comfort read“ etikettiert, aber letztendlich bleibt, so wie bei Vonnegut, das Resumee: „So it goes.“ Jedenfalls ein lesenswertes Debut.
pp. 288 (Gegenwartsliteratur)