The Eleventh Hour

Autor RUSHDIE, Salman

Verlag London: Jonathan Cape 2025

Demnächst tritt Rushdie bei “Literatur im Nebel“ auf – eine passende Gelegenheit, sein jüngstes Buch, eine Sammlung von fünf Geschichten, zu lesen.

Unaufregend die erste, „In the South“. Zwei nörgelnde alte Männer in Chennai erleben, wie ihr stetes, durchaus gutmütiges Nörgeln sein Ende findet. In der zweiten Geschichte, „The Musician of Kahani“, zeugen zwei Mathematiker-Eltern ein musikalisches Wunderkind, das einen selbstgefälligen Sportler-Mann heiratet; deren Sohn soll das nächste Wunderkind der Dynastie werden, aber für alle Beteiligten sieht das Schicksal andere Wendungen vor. Kahani ist Rushdies Rückkehr zum Bombay (nun Mumbai) und vermittelt am ehesten den märchenhaften Zauber, für den er berühmt geworden ist.

In „Late“ nimmt ein toter Akademiker, der von einer indischen Studentin gesehen werden kann, späte Rache; Schauplatz ist eine Universität, die sich als Cambridge erkennen lässt; das Fortleben des Toten ist nur innerhalb des ‚campus‘ gesichert – auch eine Form von Geborgenheit.

In „Oklahoma“ spielt Rushdie, auf dem Rücken von Kafkas „Amerika“, mit Identitäten; und in „The Old Man in the Piazza“ vertreibt ein alter Rechthaber mit seiner Klarheit die nuancenreiche Sprache, die auf der Piazza residiert hat. Die erste und die letzte Geschichte sind bereits früher erschienen, passen aber gut zum Themenkreis Verschwinden/Tod, zu jener vorletzten Stunde, die uns allen blüht.
Rushdies Fabuliertalent blüht in allen Geschichten mehr oder weniger stark auf, aber insgesamt lässt sich, fast banalerweise sagen, dass auch sein Talent in der elften Stunde angekommen ist. Lesenswert, ja; außergewöhnlich, nein.

pp. 254 (Gegenwartsliteratur)

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
30.01.2026
Link
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Kostenpflichtig
nein