Queen Esther
Autor IRVING, John
Verlag London: Scribner 2025
Was man Irving zugutehalten kann: Wien (und das bisschen Deutsch) hat er wirklich im Griff.
Was den Erzählstrang betrifft, muss man sich schon mehr wundern. In gewisser Weise kehrt Irving zu den „Cider House Rules“ zurück, wo Wilbur Larch das St. Cloud’s Waisenhaus umsichtig führt.
Hier begegnen wir Esther (geboren 1905 in Wien), deren Mutter, weil sie Jüdin war, umgebracht wurde. Esther (14) ist talentiert und willensstark und wird von Thomas und Constance Winslow aus Penacook, New Hampshire, als Kindermädchen für die vierte Tochter adoptiert. Esther wird von den Winslows gemocht und unterstützt, und im Jahr 1941 gebiert sie als Ersatzmutter einen Sohn, Jimmy, der von der Winslow-Tochter Honor als eigenes Kind aufgezogen wird.
Was folgt, ist im Prinzip Jimmys Geschichte, Esther gibt es im Hintergrund, aber sie wird erst am Schluss des Romans, 1981, in Jerusalem (als Geheimdienst-Ikone) wieder auftauchen.
Jimmy geht zum Studium nach Wien, und um dem Vietnam-Krieg zu entkommen, soll er ein Kind zeugen. Dort wohnt er mit dem Franzosen Claude und der Niederländerin Jolanda in einem bizarren Haushalt; er verliebt sich in seine Deutschlehrerin Annelies Eissler, ist noch immer in seine um zwei Jahre ältere Tante Chantal verliebt und schwängert schließlich Jolandas Freundin, die, obwohl lesbisch, einmal wissen möchte, wie das so ist mit einem Mann.
Wir treffen auf Prostituierte, kleine Gauner, eine Kaffeehausbesitzerin, einen Hund namens Hard Rain und zahlreiche Saubatteleien, die ein bissl nach altem Schriftsteller riechen, die aber durchaus zu Irvings Werk gehören.
Das plätschert ganz angenehm dahin, für Leser/innen aus Wien ist es ganz nett, das Lokalkolorit zu verfolgen, aber insgesamt reicht es bei weitem nicht für ein krönendes Werk. Für Fans.
pp. 408 (Gegenwartsliteratur)