Land
Autor O’FARRELL, Maggie
Verlag London: Tinder Press 2026
Nicht ohne Erschöpfung lege ich O’Farrells jüngsten Roman beiseite, denn man hat den Eindruck, mehrere, durchaus gelungene Romane gelesen zu haben.
Wir befinden uns im Jahr 1865, nach der großen Hungerkatastrophe In Irland.
Tomás hat sich als Kartograph bei den verhassten ‚red coats‘ verdingt und ist dabei, mit seinem Sohn Liam (10) eine Halbinsel im Westen zu vermessen. Tomás, einsilbig, aber des Gälischen mächtig, ist hart zu sich selbst und zu seinem Sohn; dies ist nicht zuletzt seinem Heranwachsen im Arbeitshaus geschuldet, wo er ein Mädchen, seine spätere Frau, Phina, kennenlernt.
Bei der momentanen Arbeit stößt er auf ein Wäldchen mit einer seltsamen Quelle; er trinkt davon und ist wie verwandelt, gesprächig und voller Pläne. Er will Karten zeichnen von einem Land “of how this land really is, of how it has always been.” Das wird als Verrücktheit gesehen und er muss sich einem grauenhaften Exorzismus unterziehen.
Mittlerweile ist er mit seiner Familie auf die Halbinsel in ein karges Leben gezogen. Liam will Priester werden, Edna, die ältere Tochter, ist voller Unrast und lebt für ihr Geigenspiel; Rose hängt an der Mutter, die bald Eugene zur Welt bringt, ein seltsam stummes Kind voller Gaben.
Wir verfolgen nun das Schicksal aller Familienmitglieder über Jahre hinweg, in Irland, in Kanada, in Kerala – vor allem aber auch die Bindung zur geheimnisvollen Halbinsel, mit Menschen in ihrer Vergangenheit.
O’Farrell kontrastiert dabei alte Mythen mit Katholikentum, erzählt von der Unterdrückung von Frauen, von der brutalen Ausbeutung der einfachen Bevölkerung. All das erzählt sie in so einem Überfluss, dass man leicht erschöpft und sehr zufrieden zurückbleibt – und weder wir noch die Charaktere in Hoffnungslosigkeit versinken.
P. S. Wird sicher einen sehenswerten Film ergeben.
pp. 434 (Gegenwartsliteratur)