Karla’s Choice
Autor HARKAWAY, Nick
Verlag London: Penguin 2024
Zu meiner Überraschung finde ich in einem meiner Regale Harkaways „Gnomon“ (signiert), 2017 zum besten SF-Roman gewählt. Ich hatte damals keine Ahnung, dass Harkaway John Le Carrés Sohn ist, aber bei „Karla’s Choice“ ist klar, was für ein Erbe er angetreten hat.
Der Roman, angesiedelt zwischen “The Spy Who Came in from the Cold” (Leamas wird auch immer wieder erwähnt) und „Tinker Tailor Soldier Spy“, holt Smiley 1963 zurück in den Circus, weil ein ungarischer Emigrant, Bánáti, der in Wirklichkeit Róka heißt, verschwunden ist. Bánáti, ein russischer Spion, der in London einen kleinen Verlag mit einer Angestellten, der Ungarin Zsuanna (Susanna), betreibt, ist auf der Suche nach seinem Sohn Leó, der in Ostberlin verhaftet worden ist.
Smiley und Helfershelfer (inkl. Susanna) werden beauftragt, Bánáti zu finden und zum britischen Asset zu machen; dabei überquert Smiley (verbotenerweise) sogar die ungarische Grenze.
Wie bei Le Carré entwickelt sich die Geschichte langsam und endet doch in einem ziemlich furiosen Finale. Und wie bei Le Carré muss man sich durch viele Namen, viele Ereignisse, viele Erinnerungen kämpfen, um nicht dem Gefühl zu erliegen, man hat etwas miss- oder nicht verstanden. Nach der Lektüre darf man erleichtert aufseufzen, weil man den Eindruck hat, man sei bei alledem irgendwie dabei gewesen. Ich nehme an, dies wird nicht Harkaways einziger Roman in der Nachfolge seines Vaters gewesen sein.
pp. 298 (Thriller)