High and Low
Autor CRAIG, Amanda
Verlag London: Abacus 2026
Die ist Amanda Craigs zehnter Roman (s. auch Archiv), und wie immer treffen wir auf vertraute Figuren, nur eben in einem neuen Kontext.
Diesmal befinden wir uns in der Cross Street, North London, zur Weihnachtszeit. Fast aristotelisch (ein Tag, ein Ort) erleben wir einen Vorort, der von Spannungen geprägt ist. Ein Mann wurde erstochen, die Unterschiede zwischen der ärmeren Gegend mit Drogenkriminalität und den paar wohlhabenden Häusern kochen hoch; das Internet ist wackelig, Polizei und Rettung finden ihren Weg nicht in den Bezirk.
Von ein paar lokalen Geschäften ist das Literary Café der Hauptschauplatz. Dort versammeln sich mehr oder weniger erfolglose Autorinnen und Autoren, um zu arbeiten.
Manche kennen wir: Die einigermaßen erfolgreiche Schriftstellerin Eva, Ivo aus „The Vicious Circle“, Gritts, Rose und Xan, ein angehender Jurist, der im Café landet, weil er eine Wohnung sucht. Er hat sich offensichtlich einen schlechten Zeitpunkt ausgewählt, denn gegen ein Flüchtlingsquartier wird Stimmung gemacht, ein paar Hooligans suchen nach einem Jungen, der sich ins Café flüchtet. Außerhalb des Zufluchtsorts bemühen sich Jade, Daisy, Mehmet und Sol von der Bäckerei (früher ein berühmter Anwalt), der Gewalt Einhalt zu gebieten.
Das ergibt eine Mischung aus Satire, Sozialkritik und ‚siege novel‘. Craig nennt dabei unter anderem Carpenters „Assault on Precinct 13“ als Vorbild.
Für Spannung ist eigentlich gesorgt, aber es gibt auch einige Durchhänger; nichtsdestotrotz ist Craig eine Meisterin des gemütlichen Erzählens, insofern, als man bequem im Sessel in eine andere Welt eintauchen kann, wo aber nichts radikal Schlimmes passiert. Gleichzeitig werden Alltagssorgen und Alltagsängste so wiedergegeben, dass sich zahlreiche Leser/innen bei der Lektüre darin finden können.
pp. 322 (Gegenwartsliteratur)