Departure(s)

Autor BARNES, Julian

Verlag London: Jonathan Caper 2026

JB meint, das werde sein letztes Buch sein, immerhin ist er mittlerweile 80.

Vieles klingt tatsächlich nach Abgesang, und wer – wie ich – zu den Älteren gehört („getting on a bit“, nicht wirklich alt), wird das Buch, eine Mischung aus Fiktion und autobiographischen ‚musings‘, mit Neugier und Gewinn lesen.
Zuerst lesen wir viel über IAMs („involuntary autobiographical memory”). Das Gedächtnis ist trügerisch in vielfacher Hinsicht; gekoppelt mit anderen Gedächtnissen wird es natürlich noch trügerischer, und wenn plötzlich Fragmente auftauchen, an die man sich gar nicht erinnern wollte, wird’s noch komplizierter. Kein Wunder, dass Barnes immer wieder Proust bemüht.

Gleichzeitig erfahren wir von seinem ‚manageable‘ Blutkrebs, von Alltagsstationen, die dadurch geprägt sind. 

Auf der fiktionalen Ebene lesen wir die Geschichte von Stephen und Jean, die Julian damals in Oxford zusammengebracht hat. Die hatten sich getrennt, und nun – wie durch Zufall – bringt Julian (in seinen Spätsiebzigern) sie wieder zusammen; anfangs scheint alles eitel Wonne, aber dann stellt sich die Frage: Kann man jemanden zu viel lieben?

Nach Abschluss der Geschichte kehren wir wieder zu JB zurück, lesen von Verstorbenen, von Krankheiten, von Möglichkeiten der Triage. Er träumt sogar, dass er einen Sticker mit der Aufschrift “BUT I WON THE BOOKER PRIZE” trägt, damit er doch behandelt wird.

Das Buch ist voll von interessanten Beobachtungen und schon deswegen ein Vergnügen, es zu lesen. Aber man merkt: Barnes ist zwar noch nicht lebenssatt, aber doch schreibsatt.

pp. 158 (Gegenwartsliteratur)

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
02.03.2026
Link
https://rezensionen.schule.at/portale/rezensionen/detail/departures.html
Kostenpflichtig
nein