Beartooth
Autor WINK, Callan
Verlag Spiegel and Grau 2025
Die amerikanische Abgeschiedenheit (Woodrell, Pollock, selbst Vance in den Ozarks zum Beispiel) ist ein guter Hintergrund für Romane. In Winks zweitem Roman sind wir in Montana („Mantana“) und verfolgen das Schicksal zweier Brüder, Thad (27) und Hazen (26).
Sie kämpfen ums wirtschaftliche Überleben nach dem Tod des Vaters. Illegale Bärenjagd, Brennholzschlagen und -verkaufen hält sie gerade noch über Wasser, aber als die Drohung besteht, dass sie das (eher ärmliche) Haus verlieren sollen, greift die plötzlich auftauchende sporadische Mutter Sacajawea helfend ein. Doch das reicht nicht zum Überleben. Die Brüder beschließen den Auftrag von „the Scot“ (Kilt, Dudelsack) anzunehmen, der da lautet: möglichst viele Geweihe aus dem Yellowstone Park zu schmuggeln, denn die sind als Lampenträger sehr begehrt.
Ich lasse hier offen, ob der Auftrag ausgeführt werden kann, aber so viel: Einfach ist das alles nicht, die Ranger sind bestens gerüstet, und auch der Unterschied zwischen den Brüdern ist ein Risiko: Thad ist methodisch, gründlich, genau, überlegt. Hazen ist impulsiv und unberechenbar, nicht ganz richtig im Kopf, wie betont wird.
Der ‚coup‘ gestaltet sich als spannendes Intermezzo, Gewalt lauert überall, die Gegend ist bevölkert von Männern, die hart arbeiten, saufen, prügeln, Frauen aus dem Weg gehen und einsilbig sind.
Noch mehr aber wirkt die Landschaft, die Wink, selbst Fliegenfisch-Führer im Nationalpark, plastisch und eindringlich schildert. Damit entführt er uns letztendlich in eine Welt, die vermutlich kaum jemand von uns kennt, auch wenn man schon mal selbst in Montana war.
pp. 241 (Gegenwartsliteratur)